
Nachhaltigkeit ist für deutsche Unternehmen kein Kostenfaktor mehr, sondern ein strategischer und messbarer Hebel zur Steigerung von Profitabilität und Unternehmenswert.
- Starke ESG-Performance und proaktive Compliance verbessern direkt die Bewertung durch Investoren und den Zugang zu Kapital.
- Kreislaufwirtschaftsmodelle und Effizienzsteigerungen senken nicht nur Kosten, sondern schaffen neue, resiliente Erlösströme.
Empfehlung: Beginnen Sie damit, Nachhaltigkeits-KPIs wie den „Return on Sustainability Investment“ (ROSI) in Ihr Controlling zu integrieren, um den ökonomischen Mehrwert konkret nachzuweisen.
Der Druck auf deutsche Unternehmen wächst. Zwischen steigenden Energiekosten, neuen EU-Regularien und anspruchsvolleren Kunden scheint die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit oft wie eine weitere Belastung. Viele sehen darin primär einen Kostenfaktor oder ein reines Marketing-Instrument, dessen Nutzen schwer greifbar ist. Die üblichen Ratschläge – Ressourcen sparen, ein grünes Image pflegen – greifen zu kurz und lassen die wichtigste Frage unbeantwortet: Wie wird aus ökologischer Verantwortung ein echter, messbarer Wettbewerbsvorteil?
Die Antwort liegt in einem radikalen Perspektivwechsel. Was, wenn die wahre Chance nicht darin liegt, Nachhaltigkeit als Pflichtübung zu betrachten, sondern als strategischen Hebel für die Unternehmensbewertung und Profitabilität? Es geht nicht mehr nur darum, Gutes zu tun, sondern darum, es klug zu tun. Der Schlüssel liegt darin, Nachhaltigkeit proaktiv zu gestalten, statt nur reaktiv auf Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu reagieren. Es ist die Fähigkeit, ökologische Performance in handfeste ökonomische Kennzahlen zu übersetzen.
Dieser Artikel zeigt Ihnen den Weg. Wir beleuchten, wie Sie den Break-even-Point für grüne Investitionen berechnen, warum Ihre ESG-Performance entscheidend für Investoren ist und wie Sie durch die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft nicht nur Kosten sparen, sondern neue Erlösquellen erschließen. Sie erfahren, wie Sie regulatorische Anforderungen antizipieren und die Compliance-Fallen vermeiden, die viele Nachhaltigkeitsberichte in Deutschland wertlos machen. Machen Sie sich bereit, Nachhaltigkeit als den Wachstumsmotor zu entdecken, der er wirklich ist.
In diesem Leitfaden finden Sie eine detaillierte Analyse der entscheidenden Faktoren, die Nachhaltigkeit zu einem Treiber für wirtschaftlichen Erfolg machen. Der folgende Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die strategischen Handlungsfelder, die wir beleuchten werden.
Sommaire: Wie Sie Nachhaltigkeit strategisch für Ihr Unternehmenswachstum nutzen
- Wann sich grüne Investitionen amortisieren: der Break-even-Point für Nachhaltigkeit?
- Warum ESG-Performance direkt auf Ihre Unternehmensbewertung durchschlägt?
- Wie Sie klimaneutral werden und dabei Ihre Profitabilität um 15 % steigern?
- Authentische Nachhaltigkeit oder Marketing-Trick: was Kunden in Deutschland erwarten
- Die Compliance-Lücke, die 60 % der Nachhaltigkeitsberichte in Deutschland entkräftet
- Wie Sie regulatorische Anforderungen antizipieren statt reaktiv umzusetzen?
- Warum Wegwerfmodelle ökonomisch und regulatorisch zum Auslaufmodell werden?
- Wie Sie durch Circular Economy 20 % zusätzliche Erlöse generieren
Wann sich grüne Investitionen amortisieren: der Break-even-Point für Nachhaltigkeit?
Die Frage, ob sich Nachhaltigkeit „lohnt“, ist überholt. Die entscheidende Frage lautet heute: „Wann?“ Die Vorstellung, dass ökologische Maßnahmen primär Kosten verursachen, weicht der Erkenntnis, dass sie strategische Investitionen mit einem klar berechenbaren Return on Investment (ROI) sind. Eine von Deloitte durchgeführte Studie unter 350 Führungskräften bestätigt, dass gezielte Nachhaltigkeitsinvestitionen direkt zu Umsatzwachstum führen. Der Schlüssel liegt in der Methodik des Return on Sustainability Investment (ROSI), die es Unternehmen ermöglicht, den finanziellen Mehrwert von Nachhaltigkeitsinitiativen zu quantifizieren.
Dieser Ansatz verschiebt die Debatte von reinen Ausgaben hin zu strategischen Werttreibern. Statt vage auf ein besseres Image zu hoffen, können konkrete finanzielle Vorteile wie Kostensenkungen durch Energieeffizienz, gesteigerte Mitarbeitermotivation oder verbesserte Marktzugänge berechnet werden. Der Break-even-Point ist damit kein unkalkulierbares Wagnis mehr, sondern eine planbare Größe. Für deutsche Unternehmen gibt es zudem konkrete Unterstützung, um die Anfangsinvestition zu stemmen. Programme wie die der KfW und des BAFA bieten gezielte Förderungen und zinsgünstige Kredite, beispielsweise für die Sanierung von Effizienzhäusern oder den Austausch von Heizungsanlagen, und verkürzen so den Weg zur Amortisation erheblich.

Die Berechnung des Break-even-Points ist somit mehr als eine finanzielle Übung; sie ist ein strategisches Instrument. Sie zwingt Unternehmen, Nachhaltigkeit nicht als isolierte Maßnahme, sondern als integralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie zu betrachten und die damit verbundenen Chancen und Risiken präzise zu bewerten. Wer heute die richtigen Kennzahlen ansetzt, sichert sich die Profitabilität von morgen.
Warum ESG-Performance direkt auf Ihre Unternehmensbewertung durchschlägt?
Investoren und Finanzmärkte haben eine neue Sprache gelernt: ESG. Die Kriterien Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) sind keine „weichen“ Faktoren mehr, sondern harte Währung bei der Unternehmensbewertung. Eine starke ESG-Performance signalisiert nicht nur ethisches Handeln, sondern vor allem ein robustes Risikomanagement und eine zukunftsorientierte Strategie. Unternehmen, die hier überzeugen, profitieren von niedrigeren Kapitalkosten, einem besseren Zugang zu Finanzierungen und einer höheren Attraktivität für institutionelle Anleger.
Diese Entwicklung ist in den Chefetagen angekommen. Laut einer KPMG-Studie verknüpfen bereits 75 Prozent der befragten Unternehmen Nachhaltigkeit direkt mit ihrer finanziellen Performance. Sie haben erkannt, dass Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics oder S&P Global die ESG-Leistung systematisch analysieren und in ihre Bewertungen einfließen lassen. Ein schlechtes Rating kann heute genauso schädlich sein wie eine negative Gewinnwarnung. Es signalisiert unzureichend gemanagte Klimarisiken, Schwächen in der Lieferkette oder Mängel in der Corporate Governance – alles Faktoren, die den Unternehmenswert direkt mindern.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten ESG-Ratingagenturen und deren Fokus, was die strategische Bedeutung einer guten Positionierung in diesem Bereich unterstreicht.
| Ratingagentur | Bewertungsskala | Fokus | Marktanteil |
|---|---|---|---|
| MSCI ESG | AAA bis CCC | Branchenspezifisch | ~20% |
| Sustainalytics | 0-40+ Risikoscore | ESG-Risikobewertung | ~20% |
| S&P Global | 0-100 Score | Finanzielle Wesentlichkeit | ~15% |
Für deutsche Unternehmen bedeutet dies, dass eine transparente und ambitionierte ESG-Strategie kein optionales Extra ist. Sie ist ein zentraler Baustein der Finanzkommunikation und ein entscheidender Werttreiber, der darüber mitentscheidet, wie resilient und attraktiv ein Unternehmen für die Kapitalmärkte von heute und morgen ist.
Wie Sie klimaneutral werden und dabei Ihre Profitabilität um 15 % steigern?
Klimaneutralität und Profitabilität galten lange als Gegensätze. Doch innovative Unternehmen beweisen, dass der Weg zur Netto-Null-Emission nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch äußerst lukrativ sein kann. Der Schlüssel liegt darin, Klimaschutz nicht als Kompensationsaufgabe zu sehen, sondern als Chance zur radikalen Effizienzsteigerung und Prozessinnovation. Statt lediglich Zertifikate zu kaufen, um Emissionen auszugleichen, setzen diese Pioniere an der Wurzel an: bei ihren eigenen Abläufen.
Ein herausragendes Beispiel aus der Automobilindustrie zeigt, dass durch die konsequente Rückgewinnung von Materialien aus Altfahrzeugen jährliche EBIT-Einsparungen von 100 Millionen Dollar erzielt wurden. Dies wird durch Methoden wie „Green Chemistry“ ermöglicht, die den Einsatz von Energie, Wasser und die Abfallproduktion um bis zu 80 % reduzieren können. Die systematische Integration von Nachhaltigkeits-KPIs in bestehende Managementsysteme macht diese Erfolge sichtbar und steuerbar. Es geht darum, ökologische Ziele mit den gleichen Werkzeugen zu verfolgen wie finanzielle: durch Messung, Analyse und kontinuierliche Optimierung.
Die Transformation zur Klimaneutralität wird so zu einem Motor für Innovation. Sie zwingt Unternehmen, ihre Wertschöpfungsketten neu zu denken, Materialkreisläufe zu schließen und in Technologien zu investieren, die langfristig nicht nur die Umwelt, sondern auch das eigene Budget schonen. Die angestrebte Profitabilitätssteigerung von 15 % ist dabei keine utopische Zahl, sondern das realistische Ergebnis einer klug umgesetzten Nachhaltigkeitsstrategie.
Ihr Fahrplan zur profitablen Klimaneutralität
- Kontaktpunkte identifizieren: Listen Sie alle Bereiche auf, in denen Nachhaltigkeitsmaßnahmen wirken können – von Energie und Material über Logistik bis hin zum Personal.
- Datenerfassung durchführen: Inventarisieren Sie bestehende Verbräuche und Emissionen (insbesondere Scope 1 & 2), um eine verlässliche Ausgangsbasis zu schaffen.
- Strategisch abgleichen: Konfrontieren Sie geplante Initiativen mit Ihren Unternehmenswerten und strategischen Zielen, wie der Verbesserung des ESG-Ratings oder direkter Kostensenkung.
- Potenziale analysieren: Unterscheiden Sie zwischen „Quick Wins“ mit schneller Amortisation (z.B. LED-Umstellung) und strategischen Großprojekten (z.B. Einführung eines Kreislaufmodells), um Prioritäten zu setzen.
- Im Management verankern: Implementieren Sie konkrete Maßnahmen mit klaren Verantwortlichkeiten, Zeitplänen und messbaren KPIs direkt in Ihr bestehendes Managementsystem.
Authentische Nachhaltigkeit oder Marketing-Trick: was Kunden in Deutschland erwarten
In einer Welt voller grüner Versprechen haben deutsche Verbraucher eine feine Antenne für den Unterschied zwischen echter Nachhaltigkeit und oberflächlichem Greenwashing entwickelt. Leere Slogans und gekaufte Siegel reichen nicht mehr aus. Kunden verlangen Transparenz und handfeste Beweise. Sie wollen die Geschichte hinter dem Produkt kennen: Woher stammen die Rohstoffe? Wie sieht die Lieferkette aus? Welchen konkreten Beitrag leistet das Unternehmen zur regionalen Wertschöpfungskette?
Eine Analyse von YouTube-Trends in Deutschland unterstreicht diesen Wandel eindrucksvoll. Videos zu Nachhaltigkeitsthemen verzeichneten eine Verdopplung der Aufrufe, und Formate wie „Sustainable Hauls“ – also das Präsentieren nachhaltig eingekaufter Produkte – wurden 13 Mal häufiger angesehen als ihre konventionellen Gegenstücke. Das zeigt: Konsumenten suchen aktiv nach Orientierung und belohnen Marken, die ihre Nachhaltigkeitsbemühungen glaubwürdig und nachvollziehbar kommunizieren. Es geht um Authentizität und Nachweisbarkeit, nicht um Perfektion. Ein Unternehmen, das offen über seine Herausforderungen und Fortschritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit spricht, wird oft als glaubwürdiger empfunden als eines, das ein makelloses grünes Image projiziert.

Für Unternehmen bedeutet das, dass die Kommunikationsstrategie untrennbar mit der operativen Realität verbunden sein muss. Zertifikate wie Herkunftsnachweise, transparente Berichte über CO2-Reduktionen oder die sichtbare Unterstützung lokaler Produzenten sind die Währung des Vertrauens. Wer hier investiert, baut eine loyale Kundenbasis auf, die bereit ist, verantwortungsvolles Handeln zu honorieren – oft auch mit einem höheren Preis.
Die Compliance-Lücke, die 60 % der Nachhaltigkeitsberichte in Deutschland entkräftet
Während große Konzerne ihre Hochglanz-Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen, existiert ein Großteil der deutschen Wirtschaft in einem regulatorischen Schatten. Eine Studie der TU Dresden im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zeigt, dass über 3 Millionen deutsche Unternehmen, vor allem KMUs, bei der systematischen Umsetzung von Nachhaltigkeit quasi unsichtbar sind. Ihnen fehlen oft die Ressourcen und das Know-how, um die stetig steigenden Anforderungen zu erfüllen. Dies schafft eine gefährliche Compliance-Lücke, die nicht nur Reputationsrisiken birgt, sondern auch den Zugang zu zukünftigen Märkten und Finanzierungen gefährdet.
Die Komplexität wird durch neue EU-Vorschriften wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) weiter erhöht. Diese verlangt eine sogenannte „doppelte Wesentlichkeit“. Unternehmen müssen nicht mehr nur berichten, wie sich Nachhaltigkeitsthemen auf ihr Geschäft auswirken (Outside-In-Perspektive), sondern auch, welche Auswirkungen ihr eigenes Handeln auf Umwelt und Gesellschaft hat (Inside-Out-Perspektive). Ein zentraler, aber oft vernachlässigter Aspekt dabei ist die Erfassung der Scope-3-Emissionen – also jener Emissionen, die in der vor- und nachgelagerten Lieferkette entstehen.
Ein Bericht, der diese Emissionen ignoriert, ist im Grunde unvollständig und wird von Investoren und Analysten zunehmend als unglaubwürdig eingestuft. Die Compliance-Lücke ist also nicht nur ein formales Versäumnis, sondern ein strategisches Defizit. Sie offenbart, dass ein Unternehmen seine wesentlichen Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und sozialen Faktoren nicht vollständig erfasst hat. Das Schließen dieser Lücke ist daher kein bürokratischer Akt, sondern eine strategische Notwendigkeit, um die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.
Wie Sie regulatorische Anforderungen antizipieren statt reaktiv umzusetzen?
Viele Unternehmen betrachten neue Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) als bürokratische Hürde, die es mit minimalem Aufwand zu überwinden gilt. Dieser reaktive Ansatz ist jedoch ein strategischer Fehler. Vorausschauende Unternehmen nutzen regulatorische Anforderungen als Fahrplan für die Zukunft und als Chance, sich entscheidende Wettbewerbsvorteile zu sichern. Die strategische Antizipation von Vorschriften verwandelt eine vermeintliche Last in einen Motor für Innovation und Resilienz.
Ein Blick auf die Einführung des LkSG in Deutschland zeigt dies deutlich. Unternehmen, die bereits frühzeitig, etwa ab 2021, eine detaillierte Risikoanalyse ihrer Lieferketten durchführten, standen bei Inkrafttreten des Gesetzes 2023 nicht nur auf sichererem rechtlichem Boden, sondern hatten auch ein tiefgreifendes Verständnis ihrer Wertschöpfungskette gewonnen. Sie konnten Risiken wie Lieferausfälle oder Reputationsschäden durch Menschenrechtsverletzungen proaktiv managen, während die Konkurrenz noch damit beschäftigt war, die grundlegenden Anforderungen zu verstehen. Die Handreichung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) selbst betont einen risikobasierten Ansatz statt einer flächendeckenden Kontrolle, was proaktives Handeln belohnt.
Dieser Ansatz erfordert einen Mentalitätswandel: weg von der reinen Compliance-Abteilung hin zu einer integrierten Strategie, die regulatorische Entwicklungen als Indikatoren für zukünftige Marktanforderungen liest. Wer heute die Anforderungen der EU-Taxonomie oder des kommenden Digitalen Produktpasses analysiert und in seine Produktentwicklung einfließen lässt, wird morgen die Nase vorn haben. Es geht darum, die Richtung zu erkennen, in die sich der Markt bewegt, und die Segel entsprechend zu setzen, anstatt von der Welle überrollt zu werden.
Warum Wegwerfmodelle ökonomisch und regulatorisch zum Auslaufmodell werden?
Das lineare Wirtschaftsmodell – produzieren, nutzen, wegwerfen – hat ausgedient. Es basiert auf der Annahme unendlich verfügbarer und günstiger Ressourcen, eine Annahme, die sich als falsch erwiesen hat. Steigende Rohstoffpreise, fragile Lieferketten und ein wachsender Berg an Abfall machen dieses Modell nicht nur ökologisch untragbar, sondern auch zunehmend ökonomisch riskant. Fabriken, die ausschließlich für die Herstellung von Einwegprodukten konzipiert sind, könnten schon bald zu wertlosen Investitionsruinen werden.
Diese Warnung vor sogenannten „Stranded Assets“, also gestrandeten Vermögenswerten, wird durch einen unaufhaltsamen regulatorischen Tsunami verstärkt. Die Europäische Union und nationale Gesetzgeber schaffen gezielt Rahmenbedingungen, die zirkuläre Geschäftsmodelle fördern und lineare bestrafen. Zu den wichtigsten Treibern gehören:
- EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR): Sie fordert langlebigere, reparierbare Produkte und führt den verpflichtenden Digitalen Produktpass ein, der Transparenz über den gesamten Lebenszyklus schafft.
- Deutsches Verpackungsgesetz (VerpackG): Die Anforderungen an Recyclingfähigkeit und den Einsatz von Rezyklaten werden kontinuierlich verschärft.
- CO2-Bepreisung: Die Kosten für Emissionen und den Einsatz von Primärrohstoffen steigen stetig an und belasten lineare Modelle direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung.
- EU-Taxonomie: Ziel 4 der Taxonomie klassifiziert den „Wandel zur Kreislaufwirtschaft“ explizit als nachhaltige Wirtschaftstätigkeit und lenkt so Investitionen in zirkuläre Lösungen.
- „Right to Repair“-Vorschriften: Sie stärken die Rechte der Verbraucher auf Reparatur und eröffnen neue Geschäftsfelder im Bereich Service und Wartung.
Ein Auto steht im Schnitt mehr als 22 Stunden am Tag. Angesichts solcher Systemineffizienzen warnt Prof. Stuchtey: Fabriken für Einwegprodukte könnten in 5-10 Jahren wertlose Investitionsruinen sein.
– Professor Martin Stuchtey, Fraunhofer Venture AHEAD-Programm Interview
Für Unternehmen ist die Botschaft klar: Wer weiterhin auf Wegwerfmodelle setzt, ignoriert nicht nur die ökologische Realität, sondern auch massive finanzielle und regulatorische Risiken. Die strategische Abkehr von der Linearität ist zur Überlebensfrage geworden.
Das Wichtigste in Kürze
- Nachhaltigkeit ist kein Kostenfaktor, sondern ein messbarer Werttreiber, dessen ROI (Return on Sustainability Investment) berechnet werden kann.
- Eine starke ESG-Performance ist für Investoren ein entscheidendes Kriterium und beeinflusst direkt die Unternehmensbewertung und Kapitalkosten.
- Authentizität und Transparenz sind für deutsche Kunden entscheidend; Greenwashing wird schnell entlarvt und bestraft.
Wie Sie durch Circular Economy 20 % zusätzliche Erlöse generieren
Die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) ist die konsequente Antwort auf die Krise der linearen Wegwerfmodelle. Sie ist weit mehr als nur Recycling. Es handelt sich um ein regeneratives System, das darauf abzielt, Produkte, Komponenten und Materialien so lange wie möglich in einem geschlossenen Kreislauf von höchster Qualität und Wertigkeit zu halten. Für Unternehmen eröffnet dieser Paradigmenwechsel enorme Potenziale, nicht nur zur Kostensenkung, sondern auch zur Generierung völlig neuer Erlösströme.
Anstatt ein Produkt einmalig zu verkaufen, ermöglichen zirkuläre Geschäftsmodelle eine dauerhafte Kundenbeziehung und mehrfache Wertschöpfung aus demselben materiellen Gut. Beispiele hierfür sind:
- Product-as-a-Service (PaaS): Kunden zahlen für die Nutzung eines Produkts (z.B. Lichtstunden statt Glühbirnen), während der Hersteller Eigentümer bleibt und für Wartung, Reparatur und Rücknahme verantwortlich ist.
- Rücknahmesysteme und Refurbishing: Gebrauchte Produkte werden zurückgenommen, professionell aufbereitet und als qualitativ hochwertige Second-Hand-Ware erneut verkauft.
- Modulares Design: Produkte werden so konzipiert, dass einzelne Komponenten leicht ausgetauscht oder aufgerüstet werden können, was die Lebensdauer verlängert und neue Service-Einnahmen generiert.
Eine Analyse von nachhaltigen Wachstumsstrategien zeigt, dass immer mehr Unternehmen die Kreislaufwirtschaft aktiv in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Durch die intelligente Nutzung von Daten (z.B. über den Digitalen Produktpass) können Unternehmen den Zustand ihrer Produkte im Feld verfolgen und den optimalen Zeitpunkt für Wartung oder Rücknahme bestimmen. Die Kreislaufwirtschaft ist somit der logische nächste Schritt, um ökonomische Resilienz aufzubauen, die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten zu verringern und eine tiefere, profitablere Beziehung zum Kunden aufzubauen.
Die Transformation hin zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell ist kein Projekt mit einem definierten Ende, sondern ein kontinuierlicher Prozess der Optimierung. Der erste Schritt ist die ehrliche Analyse der eigenen Wertschöpfungskette. Analysieren Sie jetzt, wo in Ihrem Unternehmen die größten Hebel für Effizienz, Ressourcenschonung und zirkuläre Wertschöpfung liegen, um Ihr Unternehmen zukunftssicher und profitabler zu machen.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Nachhaltigkeit als Wachstumsmotor
Warum fristen über 3 Millionen deutsche Unternehmen ein Schattendasein bei Nachhaltigkeit?
Laut einer Studie der TU Dresden fehlen vielen dieser Unternehmen, insbesondere kleinen und mittleren (KMU), die personellen und finanziellen Ressourcen sowie systematische Ansätze, um Nachhaltigkeit strategisch in ihre Geschäftstätigkeit zu integrieren. Sie agieren oft reaktiv und nicht proaktiv.
Was ist die doppelte Wesentlichkeit nach CSRD?
Die doppelte Wesentlichkeit ist ein Kernprinzip der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Sie verpflichtet Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung aus zwei Perspektiven zu betrachten: Sie müssen sowohl die finanziellen Risiken und Chancen bewerten, die sich aus Nachhaltigkeitsthemen für das Unternehmen ergeben (Outside-In), als auch die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft (Inside-Out).
Welche Rolle spielen Scope-3-Emissionen?
Scope-3-Emissionen umfassen alle indirekten Treibhausgasemissionen, die in der vor- und nachgelagerten Lieferkette eines Unternehmens entstehen (z.B. bei Zulieferern, beim Transport oder bei der Nutzung der Produkte durch den Kunden). Ihre Erfassung ist entscheidend für eine glaubwürdige Klimabilanz und wird von Investoren zunehmend gefordert, da sie oft den größten Teil der Gesamtemissionen eines Unternehmens ausmachen.